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Samstag, 24. November 2012
Sucht und Suche, nur 3 Minuten
Heute will ich darüber schreiben wie ich mich aufbaute, um mit der Sucht zurechtzukommen. wie ich lernte mit dem zu Arbeiten was ich zur Verfügung habe, auch wenn es nicht viel ist.

Als erstes musste ich kleine Erfolgserlebnisse schaffen, die ich nach Hunderttausend gescheiterten Versuchen immer noch nicht vorzuweisen hatte. Ich schaffte es einfach nicht, dauerhaft von Alkohol und Drogen wegzukommen. Aber ich wollte es doch!

Eines Tages begann ich damit, dass ich, wenn ich mir eine Zigarette anzünden wollte, sie noch einmal zur Seite legte, um zu sehen, ob ich Idiot es wenigstens schaffe 5 Minuten damit zu warten.
Nein, ging nicht.
3 Minuten? Auch nicht.
Ich musste es reduzieren bis auf 5 Sekunden!!! Erst dann konnte ich verzichten. Erst dann hatte ich endlich Mal ein Erfolgserlebnis.
Hört sich vielleicht blöd an, ist aber so!

Und ich konnte etwas unsichtbar tun, ohne das einer mitbekam was ich da tat. Das baute mich auch auf. Ich redete nicht darüber, ich tat etwas!

Aus diesen kleinen Verzögerungstaktiken wurden irgendwann wirklich 5 Minuten und eines Tages hatte ich ganze 30 Minuten nicht ein einziges Mal an eine Zigarette gedacht. Ein Wunder!
Ich hatte immer der Spruch im Kopf: Wenn ich es jetzt schaffe, diese Zigarette eine Minute nicht zu rauchen, dann schaffe ich auch von Drogen und Alkohol wegzukommen.
Ich wollte das.
Ich wollte weg von dem Wahnsinn im Kopf. Ich konnte das nicht, wie so viele meiner Freunde, denen das alles nichts anhaben konnte. Ich wurde immer verrückter und ich hasste es nie klar zu sein. Bekam ich denn mein Leben noch mit?

Dann erfand ich das mit dieser Sekunden- und Minuten Verzögerung.
Bald konnte ich bewusst am Tag die Entscheidung treffen, erst später anzufangen, auch wennich bei Freunden war. Denn hatte ich einmal etwas getrunken, am Joint gezogen oder eine Line Koks gesnieft, konnte ich nicht mehr aufhören. Logisch, denn jetzt gab es nur noch Partyparty.

Irgendwann langweilte mich das, aber ich konnte es nicht mehr abstellen. Mist. Ich wollte doch noch ein paar Abenteuer erleben, aber irgendwann saßen wir alle nur noch herum und war zu!

Ich versuchte alles Mögliche und mir war klar, ich musste etwas in meinem Denken verändern. Etwas Elementares. Meine Gewohnheiten. Und da das nicht an einem Tag geht und meine Entzüge auch nie dauerhaft hielten, versuchte ich es mit kleinen Schritten, um erst einmal wieder ein positives Gefühl aufzubauen. Gehe zurück auf LOS! Auch gut.

Auch wenn es nur dämliche 3 Sekunden waren, es waren meine dämlichen 3 Sekunden, die ich in der Lage war, ohne Druck, ohne Zwang und selbstbestimmt klar im Kopf zu bleiben. Ich konnte ja später immer noch.

Heute bin ich 18 und 3/4 Jahre clean und trocken.
(Das mit dem Nikotin habe ich erst vor wenigen Jahren geschafft, aber ich wusste, wenn ich stabil bin schaffe ich das auch...)

Heute erlebe ich Momente des Glücks, die ich mir nie zu erträumen gewagt hätte und ich erlebe Ekstase, die noch tagelang anhält, ohne dass ich erschöpft bin oder mich betäuben muss, um mein Leben aushalten zu können.

Ich richtete nun, nach und nach mein Leben so ein, das es zu mir passt und meinen ganz eigenen Bedürfnissen entspricht, die ich vorher gar nicht gekannt habe. Es hat mich auch nie einer gefragt...

Kein leichter Weg, aber es lohnt sich und im nächsten Leben will ich nicht schon wieder die gleiche Scheiße nochmal...
Nur weil ich einen schlechten Start hatte, heißt das noch lange nicht dass es nicht auch, für mich gut ausgehen kann! Warum eigentlich nicht?
Beginne mit dem was du hast, wo du bist. (und wie du bist)

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